marionViele Autorinnen und Autoren werden gefragt, wann sie ihre Liebe zur Literatur und die Begeisterung fürs Schreiben entdeckt haben.

Ich bin 1967 in Cham im Bayrischen Wald geboren und habe dort die ersten zwölf Jahre meines Lebens verbracht.

Wie die meisten Kinder liebte auch ich Abenteuer- und Gespenstergeschichten und spielte diese in unzähligen Variationen nach.

Irgendwann begann ich, meine eigenen Ideen vom "Grünen Geisterfräulein" und dem "Friedlichen Garten der Tiere" in ein Heft zu schreiben und Bilder dazu zu malen. Den Wunsch, Schriftstellerin zu werden hatte ich damals noch nicht.

In meiner frühen Kindheit gab es ohnehin nur eine Hand voll Bücher, und bevor ich die lesen konnte, zog mich das gesprochene Wort in seinen Bann.

Meine Urgroßmutter war eine wundervolle Geschichtenerzählerin, die mich an ihrer Kindheit und Jugend teilhaben ließ, wann immer ich bettelte: Erzähl mir, wie es früher war!

Die Bilder, die sie für mich heraufbeschwor, haften noch immer wie gestochen scharfe Schwarz-Weiß-Fotografien in meinem Gedächtnis.

Später kamen die Erzählungen meiner Großmutter hinzu, in denen sie selbst als eine Mischung aus Aschenputtel und Goldmarie stets im Mittelpunkt stand.

All diese Geschichten und Anekdoten, sowie die Erlebnisse meiner Mutter, die als uneheliches Flüchtlingskind in einer erzkatholischen Kleinstadt aufwuchs, flossen in ein Tagebuch. Damals überlegte ich zum ersten Mal, ob dies Stoff für einen Roman sein könnte.

Mein Interesse für Geschichte führte mich schließlich zu den Anfängen Europas. Bald entwickelte ich eine ausgeprägte Leidenschaft für keltische Kultur und Mythologie, die mich bis heute begleitet und inspiriert.

Nach meinem Abitur wollte ich zunächst selbständig werden und Geld verdienen. In dieser Zeit war der Gedanke ans Schreiben weiter entfernt denn je.

Erst als ich Mutter wurde, entdeckte ich wieder, welches Vergnügen es mir bereitet, Geschichten zu erfinden. Immer wieder musste ich meinem Erstgeborenen von der Hexe Amaryllis, (die ich nach meiner Lieblingslehrerin benannt habe), ihres frechen Papageien Herrn Erikson und der immer mürrischen Schildkröte Sybille erzählen – bis ich eines Tages von ihm den Auftrag bekam, die Geschichten aufzuschreiben.

Diesen Auftrag habe ich bis heute nicht erfüllt, da mir plötzlich ganz andere Ideen im Kopf herumspukten. Es folgte eine Zeit endloser Schreibübungen, begleitet von intensivem Lesen. Und endlich nahm auch die Idee zu meinem ersten Roman Gestalt an.

Dank eines glücklichen Zufalls erfuhr ich von der Schreibwerkstatt, die der Schriftsteller Andreas Liebert 2011 in Lüneburg leitete. An diesem einen Wochenende habe ich mehr über das Schreiben gelernt, als in all den Jahren des einsamen Lesens und Übens zuvor.

Nach dieser Erfahrung war mir eines klar: Ich wollte diesen Roman unbedingt schreiben!

Also stürzte ich mich sogleich in die Arbeit und verbrachte fortan jede freie Minute mit meinem stetig wachsenden Manuskript.

Ein erster kleiner Erfolg stellte sich ein, als ich an einer Ausschreibung des Begedia-Verlages teilnahm. Meine Kurzgeschichte, die ich hierfür einreichte, eroberte einen Platz in der Antologie "24 kurze Albträume".

Auch mein Roman ist mittlerweile vollendet. Allerdings hat sich die Geschichte so weit entwickelt, dass sie nicht mehr in ein einziges Buch passt. Deswegen habe ich sie als Trilogie geplant, an deren zweiten Teil ich aktuell arbeite.

Außerdem trage ich noch viele neue Ideen in meinem Kopf herum, die ich liebend gerne mit Anderen teilen möchte.